FAEX Interview mit Sabine Kelle

Gründerin und Designerin von WiDDA

Seit wann designst du schon Mode und was hat dich dazu inspiriert ein Label zu gründen?

S: Designen tue ich an sich schon seit meiner Kindheit oder Jugend. Das war irgendwie immer schon ein Berufswunsch. Ich wollte das aber dann nie machen, weil ich es zu kommerziell fand und das für mich nicht vereinbaren konnte. Damals war Mode halt noch, wie man sie kennt, von der Stange und in großen Massen, womit ich mich nicht anfreunden konnte. Ich habe dann erst angefangen etwas anderes zu studieren und bin dann im Endeffekt doch wieder bei der Mode gelandet, weil ich mich da am wohlsten gefühlt habe einfach Dinge selber zu machen und zu sehen, wie sie gemacht werden. Deshalb habe ich dann Mode studiert. Während des Studiums habe ich dann entschieden: Ich will nicht für andere arbeiten. Ich will einfach nicht in dieser großen Maschine mit den kurzen Rhythmen und schlimmen Preisen mitwirken. In den großen Firmen geht es oft um Verhandlungen von Centbeträgen. Das wollte ich nicht und ich wusste, wenn ich es mache, dann selber und anders. Wir haben dann einen Wettbewerb gewonnen und hatten dadurch zum ersten Mal ein Atelier. Zu Beginn hat man auch Fehler gemacht, aber daraus lernt man dann ja.

Du hast dein Label WiDDA genannt, woher kommt der Name und was bedeutet er (für dich)? Wie kommt es zu dieser Schreibweise?

Wir sind ja groß, deswegen Großbuchstaben und für die Optik war dann das kleine „i“ noch da. Ich bin Widder und mir fiel auch nichts Besseres ein damals, das war direkt nach dem Studium. Ich finde aber die Sachen, für die ein Widder (Sternzeichen) steht, ganz schön. Sie sind sehr kraftvoll und bodenständig, was auch der Idee von Nachhaltigkeit entspricht. Das „A“ ist in dem Namen, weil es feminin ist. Am Anfang war mein Label noch mehr Streetwear, auch unter anderem inspiriert an Comics und Hip-Hop. Inzwischen ist WiDDA etwas erwachsener geworden, deshalb haben wir das Ganze auch ein bisschen redesignt und trotzdem ist der Name geblieben, weil er immer noch gut passt.

Wie alle Labels unserer Community legst auch du großen Wert auf verantwortungsbewusstes Produzieren. Welche Philosophie steckt hinter deinem Label?

Das ist zum einen der Produktionsweg, der mir schon immer wichtig war. Deswegen habe ich es am Anfang selbst gemacht. Ich arbeite inzwischen mit Produktionsstätten zusammen, die ich alle persönlich kenne und sehr guten Kontakt habe. Wir produzieren immer noch selbst, aber auch bei einem Familienbetrieb in Polen. Dabei geht es mir sehr viel um Sympathie, denn ich will wissen mit wem ich arbeite und wer dahintersteht, damit diese auch wissen und verstehen was ich mache. Dann ist auch der Zusammenhalt größer.

Im Design ist es mir wichtig, dass es Sachen sind, die man lange tragen kann. Das soll nichts Kurzfristiges sein. Es soll natürlich schick sein, denn über die Kleidung drückt man sich aus. Trotzdem muss es über mehrere Saisons tragbar und gut kombinierbar sein. Wir haben vor kurzem mehr Basic-Artikel mit reingenommen, die aus einem guten Material sind und man immer schön kombinieren kann. Da wir primär Sachen für Frauen machen und Frauen verschiedene Lebensphasen durchmachen, unter anderem bekommen sie zum Teil Kinder, sollen unsere Sachen auch da funktionieren. Wir haben einige Teile, die als Umstandsmode gelten, einige funktionieren als Stillmode. Diese können aber auch sonst jederzeit getragen werden, ob schwanger oder nicht schwanger. Das wird auch sehr gut angenommen, denn gerade im nachhaltigen Bereich gibt es das nur sehr wenig.

Wodurch unterscheidest du dich von anderen Modelabels? Was ist das Besondere an deiner Kleidung?

Besonders dieser Zusatznutzen. Das haben wir über die Jahre hin über Kundengespräche entdeckt und stellen das auch inzwischen viel mehr aus. Wir haben jetzt neue Hang-Tags auf denen zum Beispiel nochmal draufsteht, ob die Sachen vegan, ob sie als Umstands- oder Stillmode geeignet und wo sie hergestellt worden sind. Nicht alle unsere Sachen werden in Deutschland hergestellt, aber auf jeden Fall in der EU. Das sind Kriterien, die sehr wichtig sind. Wir erzählen inzwischen auch viel mehr über die enthaltenden Materialien. Dafür machen wir gerade auch neue Hang-Tags, damit der Kunde mehr Informationen bekommt.

Gerade Generat-Fasern sind super, aber viele wissen damit gar nichts anzufangen. Bio-Baumwolle verkauft sich immer, weil alle wissen das ist irgendwie gut, aber trotzdem verbraucht auch Bio-Baumwolle sehr viel Wasser und muss auch irgendwo angebaut werden. Es gibt sehr viel „Müll“, der gut verwertbar ist und da sind diese Generat-Fasern ganz toll und passen sich sehr gut an. Da rede ich nicht von Polyester, sondern zum Beispiel von Tencel und Modal, die beide eine gute Qualität haben und auf Pflanzenbasis hergestellt sind. Außerdem lassen sie sich ganz gut waschen. Das sind die verschiedenen Bausteine die WiDDA ausmachen.

Du beschreibst deine Mode als lässig und feminin. Woher nimmst du die Inspiration für dein Kreationen?

Das sind tatsächlich ganz oft eher Stoffe. Ich gehe auf Stoffmessen, schaue mir Musterfarben und Qualitäten an und gucke was möglich ist. Es kann natürlich auch sein, dass es bestimmte Formen und Emotionen sind, aber ich gehe da weniger als ein sehr künstlerischer Designer ran, sondern bin ein bisschen bodenständiger. Um ehrlich zu sein sind es auch ganz viel die Zahlen. Wir sehen was gut funktioniert, was unsere Kunden mögen und bauen darauf auf. Wir haben manche Artikel auf denen kleine Details mit Asymmetrien drin sind und wenn die Kunden diese dann toll finden, stellen wir diese dann für verschiedene Saisons auch in verschiedenen Versionen her, damit man sie auch öfter tragen kann. Es werden daneben andere Farben dazu genommen oder unsere Kunden sagen die Kleider können alle mal einen Zentimeter länger werden, dann verändern wir das auch. Oft passiert es auch beim Machen, dass wir Kreieren, Modelle davon machen und dann merken, dass ist jetzt nicht so toll oder anders ist das viel besser. Man muss es ausprobieren und dann ergibt sich auch viel.

Zum Abschluss: Was möchtest du den Leuten da draußen mitgeben? Was soll deine Kleidung bewirken?

Was wir möchten ist, dass die Leute viel mehr darüber nachdenken was sie tragen und warum sie es tragen. Wir geben ihnen sozusagen eine zweite Haut und die soll auch gut für den Körper und für den Rest der Umwelt sein. Wir wünschen uns, dass man darüber einfach viel mehr nachdenkt und ich glaube jeder, der die Kleidung von uns oder ähnlichen anderen Labels, die ich kenne, ausprobiert, merkt sofort den Unterschied, dass sich die Fasern viel besser anfühlen und es zudem anders riecht. Gerade die Färbereien sind nicht besonders gesund und das macht schon einen großen Unterschied. Wir möchten, dass sich die Leute mehr fragen, woher kommen diese Dinge und wenn ich gespart habe, zu welchem Preis tue ich das, auf wessen Kosten geht das. Dass man einfach mal ein paar Euro mehr investiert, dafür dass man etwas langlebigeres hat und man weiß, dass auch der Rest dahinter stimmt. Wir hatten früher immer einen Design-Leitspruch: Was nicht funktioniert ist auch nicht schön. Mode, die auf Kosten von anderen geht, funktioniert einfach nicht und deshalb ist sie auch nicht schön. 

NDR Info Hintergrund

Der NDR war beim FAEX Concept Store zu Besuch und hat mit dem Team vor Ort über die Designerkollektionen und das innovative Konzept geredet.

Lockdown, Ladenmieten, Leerstände – Innenstädte in der Krise

Mittwoch, 31. März 2021, 20:33 bis 20:50 Uhr, NDR Info

Ein Feature von Claas Christophersen

Deutschland steht angesichts weiter steigender Infektionszahlen vor einem verschärften Lockdown. Wie der aussehen wird, ist politisch nach der verpatzten Nachteinigung zum Oster-Lockdown auf dem letzten Bund-Länder-Gipfel noch offen. Die Anfang März eingeleiteten vorsichtigen Öffnungen im Einzelhandel sind in Teilen des Landes schon wieder zurückgenommen worden. Für Boutiquebesitzer*innen, Filialketten und Betreiber von Einkaufszentren könnten sich die Aussichten weiter verdüstern. Etliche Einzelhändler haben in den vergangenen Monaten ihr Geschäft bereits aufgeben müssen.

Viele Innenstädte wirken seit der Corona-Pandemie gespenstisch leer, fast wie ausgestorben. Leerstehende Ladengeschäfte in Fußgängerzonen zeigen die Schattenseiten des boomenden Onlinehandels. Doch Einkaufsviertel in Citylagen sind nicht erst durch Corona in die Krise gestürzt. Hohe Gewerbemieten, die sich oft nur große Handelsketten leisten können, sorgen in vielen Innenstädten für ein uniformes, austauschbares Warenangebot.

Stadtplaner und Handelsforscher tüfteln deshalb an neuen Shopping- und Erlebniskonzepten, um auch jüngere Menschen in die Innenstädte zu locken. Beispiele aus Norddeutschland zeigen, wie es funktionieren könnte.

https://www.ndr.de/nachrichten/info/epg/NDR-Info-Hintergrund,sendung1143542.html